Warum sich Facebook und TV gegenseitig brauchen

Warum sich Facebook und TV gegenseitig brauchen

Schon seit zehn Jahren ist Facebook in aller Munde, nicht nur durch Ereignisse wie den Börsengang im Mai 2012 oder durch spektakuläre Übernahmen von Whatsapp oder der Fitness-App Moves, sondern vor allem auch durch seine kontinuierlichen grundlegenden Weiterentwicklungen. Aktuell gibt Facebook etwa mit seinem neuen „Anonymous Login“ eine neue Richtung vor – auch hier zeigt sich wieder: Facebook hat seine User immer im Blick und setzt nicht nur Trends, sondern folgt ihnen. Der interessanteste Aspekt bei dieser Entwicklung ist wahrscheinlich die Art und Weise, wie sich Facebook an das veränderte Konsumverhalten für Video-Content angepasst hat – und wie Facebook diese Veränderungen auch selbst vorantreibt.

Als ein Social-Media-Kanal, bei dem es im Wesentlichen um die Weitergabe von Erlebnissen und Erfahrungen geht – so die Worte von Zuckerberg –, musste Facebook sich schon immer mit den Veränderungen der Inhalte, die über den Dienst weitergegeben werden sollen, auseinandersetzen. Seit der Gründung von Facebook hat sich das Internet von einem Unterhaltungsmedium zu einem Hotspot für Original-Content entwickelt und ebenso auch für zukunftsweisende TV-Erfahrungen, die mehr und mehr zum Gegenstand von Diskussionen und „Socializing“ werden. Besonders in den letzten Jahren gab es, teilweise bedingt durch Netflix (ein Service, der auch in Deutschland kurz vor der Einführung steht), einen lebhaften Zustrom von Multiscreen- und IPTV-Content.

Angesichts der zunehmenden Fülle von Content, die unsere Aufmerksamkeit beansprucht, sind die aktuell 1,276 Milliarden aktiven Facebook-Nutzer (darunter rund 27,38 Millionen deutsche aktive Nutzer) ein Beweis dafür, dass Facebook auch nach zehn Jahren für unser Online-Leben immer noch relevant ist – was sicherlich auch mit seiner Einbeziehung in die TV-Welt zu tun hat. Denn da der TV-Konsum durch Online-Viewing und die Zunahme vernetzter Geräte weiter ansteigt, musste sich auch Facebook eine TV-Strategie überlegen – gerade vor dem Hintergrund von Wettbewerbern wie Twitter, die beim Kampf um den zweiten Bildschirm als stärkstes Echtzeitforum für TV-Konversionen die Nase vorn hatte.

Schließlich hat Facebook viel mehr getan, als „nur“ auf diese Zunahme von Online-Video zu reagieren – es hat im Gegenteil den Konsum weiter aktiv gefördert, wie z. B. über Partnerschaften mit Netflix und anderen, um das TV-Erlebnis zu erweitern und es Nutzern zu erleichtern, sich mit Freunden über den angeschauten Content auszutauschen. So schrieb Facebook zum Beispiel TV-Geschichte mit einer Live-Übertragung, die es 200.000 Fans ermöglichte, ein „FA Cup“-Fußballspiel zu sehen, das nicht im Fernsehen übertragen wurde.

Ob Facebook seine Beliebtheit bei Nutzern halten kann, wird daher auch in Zukunft davon abhängen, ob es neue und attraktive Wege für Zugriff und Nutzung von Online-Video anbieten kann. Es muss für die Online-TV-Branche, zu deren Entwicklung es beigetragen hat, unbedingt weiter relevant bleiben. Im vergangenen Jahr verbrachten Nutzer erstmals mehr Zeit mit digitalen Medien als vor dem Fernseher. Und tatsächlich: Aus einer im vergangenen Jahr publik gemachten Memo geht hervor, dass das Unternehmen beabsichtigt, seine „beispiellose gezielte Reichweite“ und sein „attraktivstes digitales Eigentum“ (d. h. seinen News Feed) gewinnbringend einzusetzen. Aktuell hat Facebook damit begonnen, seine Daten auf privater Basis für Broadcaster verfügbar zu machen.

Vor allem muss sich Facebook den sich veränderten Konsumgewohnheiten anpassen. Denn auch die Konkurrenz schläft nicht, siehe etwa die Entwicklung der Vine-App von Twitter zur mobilen Bearbeitung und Weitergabe von Video-Clips.

Die TV-Welt ist ebenfalls aufgewacht und bezieht soziale Netzwerke in ihre Überlegungen mit ein. Programmgestalter erkennen inzwischen den Nutzen darin, Shows zu produzieren, die eine Online-Kommunikation auslösen.

Es ist unumstritten, dass soziale Netzwerke einen wachsenden Einfluss auf die Programmgestaltung der TV-Macher ausüben. Und es ist keine Frage – Facebook und Co werden auch künftig weitere neue Tools entwickeln, mit denen ihre Nutzer noch leichter interessanten TV-Content entdecken, teilen und aktiv nutzen können.