Der Online Video Boom hält an – was erwartet uns in den nächsten Monaten?

Der Online Video Boom hält an – was erwartet uns in den nächsten Monaten?

Schon letztes Jahr überschlugen sich die Positiv-Meldungen im Bewegtbildmarkt geradezu – ob es um das stetige Anwachsen der Werbegelder oder um die Steigerung der Nutzerraten für das Abrufen von Videos im Web ging, überall gehen die Zahlen stetig nach oben. Und wie es aussieht, wird dieser Trend auch in den nächsten Monaten weiter anhalten. Neue Strategien zur Nutzung von Online-Video werden damit auch weiterhin die Diskussion im Medien- und Online-Marketing-Umfeld beherrschen. Welche Marktbewegungen werden die Entscheidungen von Content-Herausgebern und Medienunternehmen in den nächsten Monaten also beeinflussen?

Video-Services aus der Cloud
Ein wichtiges Schlagwort, das bereits im vergangenen Jahr in der Online-Video-Branche an Einfluss gewann, ist die Cloud. Online-Video-Services oder auch Live-Streaming-Dienste, um Kunden Content jederzeit und von jedem Ort aus zur Verfügung zu stellen, fassen im Markt weiterhin Fuß. Mit den sich einstellenden Erfolgen erwarten wir daher, dass im Laufe des Jahres 2014 noch sehr viel mehr Unternehmen ihre Video-Services in die Cloud verschieben und dass die Cloud-Skepsis deutscher Unternehmen weiter zurückgehen wird.

Die Verschiebung des Marktes in Richtung flexibler, nach Bedarf verfügbarer Cloud-Services ist für den Online-Video-Markt ein weiteres positives Zeichen und unterstreicht die Reife dieses Marktes. Zuverlässige und sichere „à la carte“-Cloud-Services ermöglichen es Medienunternehmen, einen neuen Ansatz zu wählen: Statt einer umfangreichen End-To-End-Lösung können sie ganz nach Bedarf auf nur einzelne Komponenten setzen, die sich mit ihren anderen vorhandenen Technologien integrieren lassen.

Denn nahtlose Video-Erfahrungen zuverlässig auszuliefern, ist der Lebensnerv der TV-Branche und alles, was diese Kontinuität potenziell beeinträchtigen könnte, ist ein möglicher Störfaktor. Deshalb erwarten wir auch, dass Content-Anbieter mehr und mehr auf die Cloud „à la carte“ zugreifen werden, um bestimmte Elemente der TV-Funktionalität zu unterstützen – von der Codierung und Auslieferung bis hin zur Benutzerschnittstelle. Die Verbindung zwischen dem Besten der Cloud mit vorhandenen Infrastrukturen wird TV-Betreibern dabei helfen, die Auslieferung ihrer Dienste in die richtige Richtung zu lenken, um mit neuen Content-Anbietern auch weiterhin mithalten zu können. Genau dies wird ein integraler Bestandteil sein, um personalisierte, adressierbare Erfahrungen von morgen liefern zu können – etwas was wir schon heute bei Netflix sehen, die sehr detaillierte Einblicke in ihre Abonnementenschaft haben und diese Informationen für sich nutzen.

Personalisiertes Seherlebnis und Multiscreen
Aktuelle Studien zeigen, dass sich auch deutsche Nutzer zunehmend auf das digitale Leben einlassen und ihren Medienkonsum nicht mehr nur auf ihren Fernseher im Wohnzimmer beschränken. Im Gegenteil, deutsche Verbraucher nutzen heute ganz selbstverständlich mobile Endgeräte, um ins Internet zu gehen und um Videos, Filme und andere Content-Inhalte anzusehen. Mit dieser Veränderung des Seherlebnisses wird das personalisierte Fernsehen, der unter „Me-TV" firmierende Trend, in den nächsten Monaten weiter zunehmen. Wir sind überzeugt, dass Medienunternehmen und andere Content-Herausgeber ihren Zuschauern künftig eine personalisierte Programmgestaltung bereitstellen müssen, die sich ganz am individuellen Nutzerverhalten ausrichtet. Denn: Zuschauer möchten heutzutage vor allem Zugang zu interessanten Content-Angeboten erhalten, die genau ihrem Geschmack entsprechen. Woher sie diesen Content beziehen, ist für den Zuschauer selbst nicht wirklich entscheidend. Der anhaltende Boom im Bewegtbild-Markt treibt diese Entwicklung hin zu einer personalisierten TV-Welt weiter voran. Denn die technischen Möglichkeiten, Zuschauern ein individuelles Content-Angebot zur Verfügung zu stellen, gibt es längst – auch das zeigt sich am Erfolg von Anbietern wie Netflix. Aus unserer Sicht wird der Erfolg von Publishern künftig daher entscheidend davon abhängen, ob sie interessante Inhalte nicht nur zuschauerkonform aufbereiten können, sondern auch davon, ob sie die Bedürfnisse ihrer Zuschauer besser erkennen und erfüllen und diese darüber an sich binden können.

Multiscreen und die Weiterentwicklung der Bereitstellungstechnologie
Mit Zunahme der Bildschirmanzahl, mit denen auch deutsche Verbraucher zunehmend gleichzeitig jonglieren, sowie der oben beschriebenen Zunahme der individuellen Content-Nutzung steigen gleichzeitig die Herausforderungen an Content-Anbietern im Hinblick auf die technische Bereitstellung von Videos. Unterschiedlichste Endgeräte bedeuten nämlich auch eine große Vielfalt an Schnittstellen und Betriebssystemen. Mit dieser Realität der Fragmentierung müssen sich Content-Herausgeber auseinandersetzen und genau entscheiden, welche Endgeräte sie bedienen wollen bzw. müssen, um ihre Zielgruppe zu erreichen. Wir denken, dass die große Stunde zukunftsweisender Encodierungsformate wie MPEG-DASH, das eine Vielzahl von Geräten und Plattformen unterstützt, bald schlagen wird. Seit der ersten Standardisierung im Jahr 2011 hinkt die breite Durchsetzung im Markt zwar noch etwas hinterher, doch wird sich dies mit der zunehmenden Nachfrage nach individuellen Inhalten, ob nach Live-Videos oder VOD-Angeboten, über unterschiedlichste Bildschirme und Plattformen hinweg ändern.

Online-Video-Einsatz im Content-Marketing und Marketing-Technologie-‚Supergraphic‘
Auch Marken erkennen zunehmend die Vorteile einer Optimierung ihrer Marketing-Strategie mit Online-Videos. Im B2B-Bereich nutzen bereits über 75% der B2B-Unternehmen Content Marketing und über 73% planen, ihre Investitionen in Content-Marketing-Initiativen unter Einbeziehung von Online-Videos in den nächsten Jahren zu erhöhen.

In unserer zweiteiligen Brightcove Videoserie wollen wir Vorhersagen und Herausforderungen, die digitale Marketer, die darüber nachdenken Video einzusetzen, im Laufe der kommenden Monate erwarten können, näher betrachten. Steve Rotter, Vice President of Marketing bei Brightcove, stellt im ersten Video Ergebnisse einer von ExactTarget durchgeführten Umfrage unter mehr als 2.500 digitalen Marketing-Verantwortlichen vor. Die Umfrage zeigt, dass Marketer als Top-Prioritäten für 2014 vor allem die Erhöhung der Konversionsraten (47%) sowie die Verbesserung der Markenbekanntheit (46%) sehen.

Im zweiten Video unserer Brightcove Serie widmet sich Steve Rotter einem weiteren brandaktuellen Marketing-Trendthema: der neuesten „Supergraphik“ zur aktuellen Marketingtechnologie-Szenerie, die Scott Brinker auf dem Chief Marketing Technologist Blog regelmäßig schon seit dem Jahr 2011 erstellt. Erfasste diese Graphik damals noch etwa 100 Unternehmen, die mit ihren Technologien die Marketing-Branche beeinflussen, präsentiert die aktuelle „Supergraphic heute bereits mehr als 950 Unternehmen. Dieses schier unglaubliche Wachstum an Technologien allein in den letzten drei Jahren zeigt, welcher komplexen Herausforderung digitale Marketer in Punkto Technologie heute gegenüberstehen.

Was bedeutet dies jedoch für Marketer? Marketer können sich nicht erlauben mit Technologien zu experimentieren, die nicht ausgiebig getestet wurden und die nicht mit den im Unternehmen existierenden Technologieplattformen integrierbar sind. Dies ist etwas, was wir von vielen unserer digitalen Marketingkunden gehört haben und weshalb wir stetig daran arbeiten, Video Cloud mit vielen anderen Technologien zu integrieren, um den Workflow so einfach wie nur möglich zu gestalten.

Ausblick
Aus unserer Sicht bleiben die nächsten Monate sowohl für Medienunternehmen als auch für Marketer äußerst spannend und es wird sich zeigen, wie Medienunternehmen, Content-Herausgeber und digitale Marketer die neue Herausforderung annehmen, ihre Zielgruppen in einem komplexer werdenden digitalen Umfeld auf individuelle Weise zu erreichen und anzusprechen. Dass sich bei deutschen Content-Anbietern bereits etwas bewegt, zeigt sich allein schon durch neue Second-Screen-Angebote deutscher Fernsehsender. Aber auch der Markt um weitere Content-Anbieter wird sich sicherlich in den nächsten Monaten weiter konsolidieren und wir werden einige neue Partnerschaften sehen. Letztendlich wird der Schlüssel zum Erfolg aber darin liegen, wie gut es deutsche Content-Herausgeber und Marketer schaffen, den individuellen Wegen und Bedürfnissen ihrer Zielgruppen wirklich zu entsprechen.