Chromecast und die Zukunft des Fernsehens

Chromecast und die Zukunft des Fernsehens

Anhänger technischer Gimmicks freuen sich schon lange auf für den heutigen 19. März angekündigten Deutschland-Start von Chromecast – des kleinen TV-Dongles von Google, mit dem sich Content vom PC oder von mobilen Endgeräten bequem zum Fernseher streamen lässt. Das klappt längst nicht nur mit „smarten“ TV-Geräten, sondern per WLAN mit allen TVs, die über einen HDMI-Anschluss verfügen. Chromecast ist ein kleines Wunderwerk – nicht teuer, portabel und voller neuer Möglichkeiten für den Content-Einsatz zu Hause. Mit der jüngsten Nachricht von Google, dass das Chromecast Software-Entwicklungskit (SDK) jetzt für wirklich alle Entwickler offen ist, vervielfältigen sich auch die Möglichkeiten für Publisher, denn das bedeutet: Jeder Publisher kann ab sofort eine eigene App entwickeln und seinen Content über Chromecast streamen.

Damit profitieren Publisher direkt von der auch in Deutschland zu erwartenden Popularität und zunehmenden Verbreitung des Chromecast-Dongles und können für eine größere Verteilung ihrer digitalen Programme sorgen. Allerdings bedeutet das für Publisher natürlich auch, sich über damit einhergehende Herausforderungen im Hinblick auf Werbung und Monetarisierung Gedanken zu machen. Dass auch dafür Technologie, die mit Chromecast eingesetzt werden kann, schon bereitsteht, ist daher eine gute Nachricht. So können Publisher etwa mit der neuen „Out-of-the-Box“-Lösung von Brightcove für Chromecast - Brightcove Once - Content in Broadcast-Qualität und mit eingebundener Werbung nahtlos bereitstellen und ihren Kunden und Zuschauern so ein angenehmes „Leanback-Seherlebnis“ ermöglichen.

Für Publisher ist es immer schwierig zu entscheiden, wo sich eine Investition lohnt und für welche Bildschirme sie ihren Content bereitstellen sollen. Bisher dominierte das heimische Wohnzimmer vor allem der traditionelle Fernseher. Über ihre proprietäre Plattformen bestimmen daher die Smart-TV-Hersteller, wie sich Content aufs TV streamen lässt. Die Einführung von AirPlay und Apple TV brachte jedoch eine Wende und den ersten Schritt in Richtung eines „mobilzentrierten“ Sehmodells: Mobile Endgeräte bestimmen dabei die Darstellung von Content über ein WLAN-fähiges portables Gerät und HDMI-Anschluss. Chromecast entwickelte dieses Modell weiter – das Gerät ist nicht nur viel kleiner als ein Apple TV und günstiger, sondern unterstützt mit iOS-, Android- und Desktop Chrome-Funktionalität auch gleichzeitig mehrere Plattformen. Damit kommt Chromecast den Wünschen der Publisher entgegen, ihren Content auf wirklich allen TV-Geräten in jedem Wohnzimmer verfügbar zu machen und ein komfortables Zuschauererlebnis auf Großbildschirmen umsetzen zu können – und dies ganz ohne hohe Kosten.

Chromecast bietet also ein riesiges Potenzial, vor allem mit dem jetzt für alle Entwickler zugänglichen offenen SDK. Aus Publisher-Sicht gibt es aber dennoch noch einige Herausforderungen, die es zu überwinden gilt, z. B. beim Thema Werbung: Videowerbung-Technologien der ersten Generation sowie Player-seitige SDKs, die einen Ad-Server abfragen und dann versuchen, die Werbung auf der Kundenseite einzubinden, sind mit dem aktuellen Chromecast-Modell nämlich nicht mehr funktionsfähig. Hier kann die neue Brightcove Once-Lösung zur Integration von Werbung mit Chromecast helfen, denn: Brightcove Once funktioniert in der Cloud und macht es möglich, Werbung direkt in den Stream einzufügen. Komplexe und Debugging-resistente kundenseitige Werbe-Integrationen für jeden Ad-Server oder jedes Ad-Netzwerk werden damit überflüssig. Das an den Fernseher gestreamte Video ist nämlich sofort wiedergabefähig, ganz unabhängig davon, ob es sich um Content oder Werbung handelt. Dies ermöglicht nicht nur Pre-Rolls, sondern auch Mid-Rolls und Post-Rolls für Short Form-, Long Form- und Live-Content. Der gleiche Ansatz ist verwendbar, um vollständige lineare Kanäle bereitzustellen, die eine nahtlose Wiedergabe wie beim linearen TV ermöglichen, aber gleichzeitig so personalisiert und angepasst werden können, dass für jeden Zuschauer ein individuelles Seherlebnis bereit gestellt werden kann.

Dieser neue personalisierte „Me TV“-Ansatz bedeutet, dass Publisher sowohl ein Seherlebnis in TV-Qualität – für Video-on-Demand ebenso wie für Live-Video – anbieten können als auch personalisierte Streams. So können sie Nutzer mit ihren digitalen Inhalte mit 1:1-Content und Werbebotschaften oder aber mit Benutzer-kontextuellen Content direkt ansprechen. Denkbar ist auch, dass beispielsweise bei der digitalen Übertragung des Weltmeisterschaftsendspiels – bereitgestellt über Chromecast auf dem TV-Gerät – die Kameraeinstellungen (Feld, Seitenlinien, Fans) und sogar die Werbeeinblendungen abhängig davon gewählt werden, welche Mannschaft vom Zuschauer favorisiert wird. Und dieser Grad einer individuellen Personalisierung der TV-Erfahrung ist erst der Anfang dieser Entwicklung. In nicht allzu ferner Zukunft werden Publisher in der Lage sein, für ihre Zielgruppen ein ganzheitliches Zuschauererlebnis für mehrere Displays – TV und mobile Geräte – gleichzeitig bereitzustellen. Das Öffnen der Entwicklungsumgebung für Chromecast stellt daher auf jeden Fall einen wichtigen Meilenstein für die Entwicklung von Streaming-Diensten und damit auch für Publisher dar. Denn die bereits im Entstehen begriffene Personalisierung von Content- und Multi-Screen-Werbemodellen wird die Zukunft des (smarten) Fernsehens neu definieren – sowohl für Publisher als auch für uns als Zuschauer in dieser neuen Unterhaltungswelt von morgen.