„Second Screen“ – Der zweite Bildschirm macht das Fernsehen interaktiv und eröffnet neue Möglichkeiten zur Monetarisierung

„Second Screen“ – Der zweite Bildschirm macht das Fernsehen interaktiv und eröffnet neue Möglichkeiten zur Monetarisierung

Hype oder Verwirrung – die Interpretationen der neuesten Umfragen zum Second Screen gehen auseinander. So sagen die einen(1), dass mittlerweile bereits 43 Prozent der Deutschen während des Fernsehens auf einen Second Screen schauen, andere widersprechen dieser Aussage und monieren, dass aber nur 16 Prozent der gleichzeitigen Second Screen-Nutzung im inhaltlichen Zusammenhang mit TV-Inhalten stehen(2).

Dennoch, Fakt bleibt: Fernsehanstalten und andere Programmanbieter müssen sich mit dem neuen Trend beschäftigen und tuen dies auch bereits. Zeitgleich mit der Entwicklung neuer Endgeräte versuchen sie vermehrt, ihre Zuschauer mit neuen Second-Screen-Inhalten zu gewinnen und zu binden. Und Beispiele dafür gibt es viele – ob die „4Now“-App von

Channel 4, die erstellt wurde, um die Programmgestaltung zu unterstützen und zeitgleich Interaktionen in Echtzeit zu ermöglichen. Oder auch ganz aktuell: der Kinofilm „App“, den Zuschauer mit interaktivem Zugriff auf ihrem Mobilgerät verfolgen können. Darüber hinaus zeigt auch ein Blick auf die Social Media-Seiten von Programmanbietern, dass der Anteil junger Zuschauer, die das Programm aktiv mit gestalten möchten, wächst.

Für Fernsehanstalten und Pay-TV-Anbieter, die einen Platz in der „Second Screen“-Landschaft einnehmen möchten, ist es daher wichtig das Verhältnis zwischen den beiden Bildschirmen genau zu verstehen und sich darüber im Klaren zu sein, dass es verschiedene Anwendungsfälle gibt, die unterschiedliche Ziele verfolgen. „Second Screen“ bietet Programmanbietern viele neue Möglichkeiten, ihre Programme für die Zuschauer von heute attraktiver zu gestalten und dabei ihre Umsätze zu steigern. Aber was bedeutet „Second Screen“ für das Fernsehen von morgen genau?

„Second Screen” kann sich auf Internetaktivitäten auf einem mobilen Endgerät beziehen, dessen Inhalte direkt mit dem Inhalt auf dem Fernsehbildschirm in Verbindung stehen. Zuschauer können sich auf diese Weise interaktiv einschalten und am laufenden Programm beteiligen, etwa bei einem Quiz oder einer Talkschau. „Second Screen“ kann sich aber auch auf Inhalte beziehen, die das normale Programm begleiten und/ oder ergänzen. Bei beiden Beispielen ist Multitasking gefragt und Anbieter müssen damit rechnen, dass sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer vom Hauptbildschirm abwenden kann und entsprechend beeinträchtigt wird.

Dual-Screen-Apps definieren zudem „Second Screen“ neu, da mobile Endgeräte die gesamte „Lean-Back-Experience“ bestimmen. Solche Anwendungen schaffen einen glücklichen Kompromiss für Medienunternehmen – sie erlauben es ihnen, mit ihren Zuschauern zu interagieren und am Trend des Mobile-Multitasking mitzuverdienen. Mobile Endgeräte wie Smartphone oder iPad ergänzen dabei das Videoerlebnis am Fernsehmonitor. Die Verzahnung zwischen mobilen Endgeräten und Fernsehgeräten bildet ein Szenario, das bald unseren Fernsehalltag bestimmen wird, und ist ein nächster natürlicher Schritt im Rahmen der Entwicklung des Content-Konsums. Die besten Erfahrungen aber werden am Ende dann gemacht werden, wenn jedes Gerät eine gleich wichtige Rolle spielt und unterschiedliche, wenn auch verwobene Zwecke erfüllt.

Apples AirPlay Protocol und der Miracast-Standard haben die Tür für diese Art neuer Erfahrungen geöffnet. In Zukunft werden mobile Endgeräte nahtlos mit Flachbildschirmen kommunizieren und eine zentrale Rolle auch innerhalb unserer vier Wände spielen. Diese Entwicklung wird aufregende neue Möglichkeiten für Zuschauerbindung, Monetarisierung, Entertainment, Spiele, soziale Interaktionen, Marketing und Commerce möglich machen.

Soziale Interaktion wird damit nicht mehr auf nur eine virtuelle Gruppe von Zuschauern beschränkt, sondern erweitert sich auf Freunde und andere Familienmitglieder, die mit uns vor dem Fernseher sitzen, und auch solchen, die mit uns über mobilen Endgeräten interagieren. Wir hoffen, dass neue Werbeformen entstehen, die eine zunehmende Interaktion mit Zuschauern erlauben und so den Wert für Werbetreibende und den CPM für Publisher steigern.

Der Fernsehbildschirm wird zwar weiterhin die zentrale Display-Oberfläche sein, auf der die jeweiligen Inhalte gezeigt werden, aber die zusätzliche Nutzung von mobilen Endgeräten eröffnet Fernsehanstalten und Pay-TV-Anbietern einen ganz neuen Mechanismus, um die Erfahrung auf dem Fernsehgerät zu steuern. Dabei kann es sich sowohl um Möglichkeiten wie die einfache Programmnavigation als auch um komplexe Suchfunktionen oder neue Funktionen im Zusammenhang mit Social Media Plattformen handeln. Eines ist auf jeden Fall gewiss: Die Zukunft des Fernsehens wird sich auf mehreren Bildschirmen abspielen – und daraus entstehen auch neue Monetarisierungsmöglichkeiten für Anbieter.


Anmerkungen:
1) Andreas Wilkens, IFA Umfrage, 2.09.2012, http://www.heise.de/newsticker/meldung/Umfrage-43-Prozent-der-Deutschen-nutzen-Second-Screen-beim-Fernsehen-1946936.html
2) Torsten Zarges, “Die große Second-Screen-Verwirrung der Vermarkter”, 17.09.2013; http://www.dwdl.de/magazin/42593/die_grosse_secondscreenverwirrung_der_vermarkter/