Social TV: Willkommen im größten Fernsehzimmer aller Zeiten!

Social TV: Willkommen im größten Fernsehzimmer aller Zeiten!

Als Onlinevideo-Experten versuchen wir von Brigthcove bei allen wichtigen Events der Marketing- und Medien-Branche dabei zu sein, so auch beim HORIZONT Digital Day 2013 am 11. Juni in Wiesbaden. Neben der Frage nach Big Data ging es um die Frage, welche Trends die Medienbranche wohl als Nächstes bestimmen werden. Eine wichtige Frage, über die auch wir ständig nachdenken, um unsere Kunden im Hinblick auf die Ausrichtung ihrer Bewegtbildstrategien und Monetarisierungsmöglichkeiten vorausschauend beraten zu können. Eine der entscheidendsten Veränderungen stellt aus unserer Sicht der Wandel im TV-Bereich hin zu Connected-TV (oder auch Smart-TV) dar, verbunden mit den Entwicklungen rund um Second- oder Multi-Screen. Dieser Zusammenhang wird in den Medien oft auch mit dem Schlagwort „Social TV“ zusammengefasst: Social TV als interaktive Kommunikation zwischen Zuschauern, die während ihres TV-Konsums das Fernsehprogramm direkt auf den üblichen Social Media-Kanälen kommentieren.

Die Entwicklung in den USA und Großbritannien ist in diesem Bereich schon viel weiter vorangeschritten, doch wissen auch hier ansässige Fernsehsender, was ein wachsender Social TV-Trend in Deutschland künftig für ihre Ansprache und Interaktion mit neuen oder bereits existierenden Zielgruppen sowie für die Ausdehnung ihrer Reichweiten bedeuten könnte. Dass sich Social TV in naher Zukunft auch in Deutschland ähnlich entwickeln wird, ist sehr wahrscheinlich – das zeigen z. B. die Zahlen zur mobilen Nutzung, eine der Hauptvoraussetzungen für Multiscreen-Entwicklungen: Die Anzahl der Unique Mobile User hat sich in Deutschland seit 2010 fast verdoppelt – nach der letzten Markt-Media-Studie der AGOF nutzen 30,3 Prozent der deutschsprachigen Wohnbevölkerung, das sind 21,3 Millionen Nutzer, regelmäßig das mobile Internet und fast jeder Sechste davon nutzt das mobile Netz sogar zunehmend als eigenständigen Kanal vor dem klassisch-stationären Internet. Über 60 Prozent setzen ihr Smartphone dabei bereits zur Interaktion über soziale Netzwerke ein(1). Auch die deutschen Nutzungsraten für Social-Media-Kanäle steigen. Comscore ermittelte für den März 2013 die Anzahl der deutschen Unique Visitors im Vergleich zu den Zahlen vom August 2012 (Facebook: 39,196 Mio. (-1,7%), Google+: 6,682 Mio. (+82%), Xing: 5,243 Mio. (+5,5%), Twitter: 3,695 Mio. (+24,2%))(2).

Die Daten zeigen deutlich das enorme Potenzial, dass Social TV künftig auch für die deutsche TV-Welt haben könnte. Während Netflix, der US-Anbieter von On-Demand Streaming für Filme und Serien, bereits exemplarisch zeigt, wie Social TV die Gesetze im traditionellen TV-Markt komplett verändern kann – Netflix ermöglicht es Abonnenten Ihre Zuschauer-Aktivitäten mit Facebook-Freunden zu teilen – , stecken die Experimente deutscher Fernsehsender noch in den Anfängen. Die Zeit berichtete im Juni(3) über die Bemühungen der ARD, den Tatort zu einem Live-Event in den Social Media-Kanälen Twitter und Facebook zu machen. Obwohl es noch keine aussagekräftigen Studienergebnisse dafür gibt, welchen direkten Einfluss diese Social Media-Aktivitäten letztendlich auf die Anzahl der Tatort-Zuschauer hatte, zeigten sich erste positive Auswirkungen: So haben sich nicht nur insgesamt die Zuschauerquoten erhöht, auch die Anzahl der Abrufe in den Mediatheken sei enorm gestiegen.

Heute um 22:00 Uhr testet der WDR das Zusammenspiel von TV und Online und bietet in seinem Dokuformat "die story" Zuschauern erstmals die Möglichkeit, via Web den Originalfilm des WDR Fernsehens bei Konsum via Smartphone oder Tablet um zusätzliche Szenen zu erweitern. In der Folge "Alpen abgezockt - Berge, Schnee und Billiglohn" kann der Nutzer bei "My Story" individuell zusätzliche Filmsequenzen auswählen(4). In der Zukunft werden immer mehr diesen Beispielen folgen.
Künftig wird sich auch der Einfluss von Social Media-Aktivitäten auf die Reichweite von TV-Sendungen genauer messen lassen: Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) wird dann auch die Online-Abrufe ausweisen.

Was bedeutet das neue Social-TV-Phänomen für die Monetarisierung? Wir erwarten, dass bald auch in Deutschland in den TV-Sendungen die passenden Hashtags eingeblendet und TV-Werbeformate mehr und mehr Social-Media-kompatibel werden. Mit dem Anwachsen der Multiscreen-Aktivitäten deutscher Konsumenten werden Marketer neue „Social-Werbeformate“, die den Second-Screen ganz selbstverständlich mit einbeziehen, wie z. B. Abstimmungsformate, als integralen Bestandteil des TV-Programms nutzen – kurz gesagt: Auch in Deutschland wird es bald ganz normal, TV-Formate und TV-Werbung eng mit dem Social-Net über das Einblenden von Twitter-Logos, Hashtags und Webseitenadressen zu verzahnen.

Letztendlich sind wir davon überzeugt, dass Social TV nicht nur die Art und Weise, wie Fernsehzuschauer künftig TV konsumieren, radikal verändern wird, sondern auch die Art der Programmierung selbst. Was bedeutet, dass deutsche Fernsehsender Twitter und/oder Facebook bald als „erweiterten Fernsehkanal“ nutzen werden, um ihre Reichweite durch die Integration der Online-Kanäle erheblich zu steigern. An der Entwicklung vom Social-Net hin zum neuen größten Fernsehzimmer aller Zeiten, einer Art zweiten virtuellen Wohnzimmer, führt damit auch in Deutschland kein Weg vorbei.

 

  • Bassmaster, die amerikanische Fischerei-Organisation mit mehr als einer halben Million Mitgliedern und 26.000 Twitter-Followern, nutzt Zencoder Live Cloud Transcodierung von Brightcove, um Turniere auf alle Endgeräte live zu streamen. Bassmaster gibt damit seiner gesamten Online Community Zugriff auf die Veranstaltungen und promoted einzelne Episoden via Twitter.
  • Mögen, Verlinken, Empfehlen, Tweeten: Lesen Sie unserer kostenloses Whitepaper, das Ihnen einen Leitfaden für Video und Social Media an die Hand gibt.

 

Anmerkungen:
Gemäß Markt-Media-Studie „mobile facts 2012-II“, hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.V. (AGOF), siehe http://agof.de/2013-01-24.1135.de.html
2 Comscore Statistik nach http://meedia.de/internet/die-top-20-der-sozialen-netzwerke-in-deutschland/2013/04/26.html
3 http://www.zeit.de/digital/internet/2013-06/tatort-quoten-soziale-netzwerke-twitter
4 http://www.turi2.de/2013/06/28/heute2-wdr-zuschauer-story-vertiefen-16173954/. Mehr zu „diestory“ unter: http://www.wdr.de/tv/diestory/